Ein Türband (auch Türscharnier oder Türangel genannt) ist das Verbindungselement zwischen Türblatt und Türzarge, das die Beweglichkeit der Tür ermöglicht und gleichzeitig das gesamte Gewicht des Türblatts trägt. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Bandlappen, einem Bolzen (dem sogenannten Bandstift) und – je nach Bauart – einem Lagergehäuse. Ohne funktionierende Türbänder lässt sich eine Tür weder öffnen noch schließen.
Im Bereich des Einbruchschutzes wird dem Türband oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei stellt die Bandseite einer Tür eine klassische Angriffsstelle für Einbrecher dar: Wer die Bänder aus der Verankerung hebelt oder den Bandstift herauszieht, kann die Tür auf der Bandseite aufbrechen – selbst wenn Schloss und Riegel einwandfrei gesichert sind. Eine fachgerechte Auswahl und Nachrüstung der Türbänder ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil eines ganzheitlichen Einbruchschutzkonzepts.
Aufbau und Funktionsweise eines Türbands
Das Türband besteht aus zwei Bandlappen – einem zargen- und einem türblattseitigen – die über einen gemeinsamen Bolzen miteinander verbunden sind. Der Bolzen (Bandstift) sitzt in einer Hülse und ermöglicht die Drehbewegung. Bei einfachen Bändern ist der Bolzen offen zugänglich; bei hochwertigen Sicherheitsbändern ist er verdeckt eingebaut oder durch eine Stahlhülse geschützt.
Moderne Türbänder für Außentüren verfügen häufig über eine dreidimensionale Einstellbarkeit: Höhe, Seite und Anpressdruck des Türblatts lassen sich nach der Montage justieren. Das ist besonders wichtig, damit die Tür gleichmäßig in der Zarge schließt und Dichtungen nicht einseitig belastet werden. Für schwere Sicherheitstüren kommen Türbänder mit Kugellagern oder Gleitlagern zum Einsatz, die auch bei hohem Gewicht langlebig und leichtgängig bleiben.
Arten und Varianten von Türbändern
- Aufschraubbänder: Einfache Bänder, die auf Zarge und Türblatt aufgeschraubt werden. Kostengünstig, aber sicherheitstechnisch weniger geeignet für Außentüren.
- Einbohrscharniere: Werden in gefräste Aussparungen eingelassen, optisch unauffällig, häufig bei Innentüren.
- Verdeckt liegende Bänder: Vollständig im Türblatt und in der Zarge eingelassen, von außen nicht sichtbar. Hoher Einbruchschutz, da kein Angriffspunkt von außen vorhanden ist.
- Steckbänder (Rollenbänder): Klassische Bauform mit sichtbarem Bolzen, einfach zu montieren, jedoch bei alten Modellen oft leicht aushebbar.
- Sicherheitsbänder mit Antihebebolzen: Verfügen über spezielle Zapfen oder Haken, die ein Ausheben des Türblatts verhindern, auch wenn der Bandstift entfernt wird.
- Türbänder nach DIN EN 1935: Genormte Bänder für verschiedene Belastungsklassen; für Sicherheitstüren nach DIN EN 1627 sind Bänder ab Klasse 3 oder höher erforderlich.
Sicherheit und Schwachstellen auf der Bandseite
Die Bandseite gilt in der Einbruchschutzberatung als die „vergessene Seite“ der Tür. Viele Hausbesitzer investieren in hochwertige Schlösser und Schutzbeschläge, vernachlässigen aber, dass ein Einbrecher die Tür auch auf der Bandseite aufhebeln kann. Bei alten Steckbändern mit freiliegendem Bolzen genügt es, den Stift herauszutreiben – das Türblatt lässt sich dann auf der Bandseite herausziehen, während Schloss und Riegel intakt bleiben.
Weitere Schwachstellen sind mangelhafte Verschraubungen (zu kurze Schrauben, die nur im Türblatt oder in der Zargenschalung sitzen, nicht aber im Mauerwerk) sowie korrodierte oder ausgeschlagene Bänder, die das Türblatt nicht mehr sauber führen. Ein verzogenes Türblatt, das klemmt oder schleift, ist oft ein Zeichen für verschlissene oder falsch eingestellte Bänder.
Zur Absicherung der Bandseite empfiehlt sich die Kombination aus hochwertigen Sicherheitsbändern und einer Bandseitensicherung – das sind Stahlbolzen oder Schwenkhaken, die in der Zarge verankert sind und das Türblatt auch bei entfernten Bändern in der Zarge halten.
Türbänder und Widerstandsklassen nach DIN EN 1627
Wer eine Eingangstür nach den anerkannten Einbruchschutz-Normen absichern möchte, muss auch die Türbänder in die Betrachtung einbeziehen. Die Widerstandsklasse RC (Resistance Class) nach DIN EN 1627 bewertet die gesamte Türeinheit – also Türblatt, Zarge, Schloss und Bänder gemeinsam. Türbänder müssen dabei den mechanischen Angriffen standhalten, die für die jeweilige Klasse vorgesehen sind.
Für die Widerstandsklassen RC 2 und RC 3, die für Wohnungseingangstüren und Einfamilienhäuser empfohlen werden, sind Türbänder mit verdecktem Bandstift, Antihebebolzen und langer Verschraubung in den Türrahmen bzw. ins Mauerwerk vorgeschrieben. Beim Kauf einer zertifizierten Sicherheitstür sind diese Anforderungen bereits erfüllt – bei der Nachrüstung bestehender Türen muss ein Fachmann prüfen, ob die vorhandenen Bänder ausgetauscht oder ergänzt werden müssen.
Einbau, Austausch und Einstellung durch den Fachmann
Der Austausch von Türbändern klingt nach einer einfachen Aufgabe, ist in der Praxis aber anspruchsvoll. Das Türblatt muss während der Montage sicher abgestützt werden, da es – besonders bei massiven Sicherheitstüren – erhebliches Gewicht hat. Falsch eingebaute Bänder führen zu Verzug, Klemmgeräuschen, undichten Stellen und im schlimmsten Fall zu einem dauerhaft geschwächten Einbruchschutz.
Bei der Nachrüstung von Sicherheitsbändern prüft ein erfahrener Schlüsseldienst zunächst, ob die Zarge ausreichend im Mauerwerk verankert ist. Lange Schrauben (mindestens 60 mm, besser 80–100 mm) müssen in tragfähigem Mauerwerk sitzen. Anschließend werden die Bänder dreidimensional eingestellt, sodass das Türblatt gleichmäßig schließt und die Dichtung rundum anliegt. Abschließend wird die Funktion der Bandseitensicherung geprüft.
Tipps vom Fachmann: Worauf Sie achten sollten
- Sichtprüfung regelmäßig durchführen: Kontrollieren Sie Ihre Türbänder einmal jährlich auf Rost, Spiel und festen Sitz der Schrauben.
- Quietschende Bänder nicht ignorieren: Quietschen ist ein Hinweis auf mangelnde Schmierung oder beginnenden Verschleiß. Verwenden Sie Bandspray oder säurefreies Öl – kein WD-40, das harzt nach.
- Bandseite nachrüsten: Lassen Sie prüfen, ob Ihre Tür über eine Bandseitensicherung verfügt. Diese Nachrüstung ist vergleichsweise günstig und erhöht die Sicherheit erheblich.
- Auf Zertifizierung achten: Beim Neukauf einer Tür oder beim Austausch der Bänder sollten Sie auf geprüfte Produkte nach DIN EN 1935 oder im Rahmen einer RC-zertifizierten Türeinheit setzen.
- Fachbetrieb beauftragen: Gerade bei Außentüren sollte der Einbau oder Austausch von Türbändern durch einen qualifizierten Schlüsseldienst oder Tischler erfolgen, um Fehler zu vermeiden, die die Einbruchsicherheit kompromittieren.