Ein Dietrich ist ein Werkzeug oder eine Werkzeuggruppe, die dazu dient, Schlösser ohne den zugehörigen Originalschlüssel zu öffnen. Im Bereich der Schließtechnik bezeichnet der Begriff sowohl einfache Drahthaken als auch spezialisierte Profi-Werkzeuge wie Pick-Sets, Spannwerkzeuge und Klopf-Picker (sogenannte Snap Guns). Der Dietrich ist damit das bekannteste Symbol für das sogenannte Lockpicking – die Kunst, ein Schloss durch mechanische Manipulation seiner inneren Bauteile zu öffnen, ohne es zu beschädigen.
Für Fachleute im Schlüsseldienst und Einbruchschutz ist das Wissen um Dietriche von zentraler Bedeutung: Wer versteht, wie ein Schloss mit einem Dietrich überwunden werden kann, erkennt auch, welche Sicherheitsmechanismen wirklich schützen. Hochwertige Schließzylinder mit Pickingschutz, Sicherungskarten und zertifizierten Schließgeheimnissen sind heute Standard, wenn es darum geht, Türen wirksam gegen Dietrich-Angriffe zu sichern.
Aufbau und Funktionsweise eines Dietrichs
Der klassische Dietrich besteht aus zwei Komponenten: einem Spannwerkzeug (Tension Wrench) und einem Pickhaken. Das Spannwerkzeug übt leichten Drehdruck auf den Schließzylinderkern aus, während der Pickhaken die einzelnen Zuhaltungsnadeln oder Stifte im Zylinder anhebt. Bei einem herkömmlichen Profilzylinder oder Stiftzuhaltungsschloss liegen die Stifte auf unterschiedlichen Höhen; der Picker hebt sie nacheinander auf die sogenannte Scherlinie an, bis der Kern sich drehen lässt.
Beim Raking – einer schnelleren Variante – wird ein gezackter Haken zügig vor und zurück bewegt, um möglichst viele Stifte gleichzeitig in die richtige Position zu bringen. Eine Snap Gun (Klopf-Picker) funktioniert nach demselben Prinzip, arbeitet aber mit einem federbetriebenen Schlag, der alle Stifte kurzzeitig anhebt. Geübte Anwender können einfache Schlösser so in wenigen Sekunden öffnen.
Arten von Dietrichen und Lockpicking-Werkzeugen
Das Spektrum der Dietriche reicht von improvisierten Hilfsmitteln bis zu professionellen Sets:
- Einfacher Drahtdietrich: Gebogener Draht oder Haarnadel, für primitive Schlösser geeignet, bei modernen Sicherheitszylindern wirkungslos.
- Pick-Set (Haken-Picks): Professionelle Sätze mit verschiedenen Hakenformen für unterschiedliche Schlossbauarten.
- Rake-Picker: Gezackte Werkzeuge für schnelles, weniger präzises Öffnen durch Raking-Technik.
- Snap Gun / Klopf-Picker: Mechanisch oder elektrisch betriebenes Gerät, das alle Stifte gleichzeitig kurz anhebt.
- Folienmethode (Shim): Dünne Metallfolien, die bei bestimmten Schlosstypen zwischen Riegel und Schließblech eingeführt werden.
- Bump-Key: Ein speziell gefräster Schlüssel, der durch Klopfen die Stifte kurzzeitig anhebt – technisch verwandt mit dem Dietrich-Prinzip.
Wichtig: Der Besitz von Dietrichen ist in Deutschland nicht generell verboten, kann aber bei fehlender Berechtigung strafrechtlich relevant sein (§ 243 StGB: Vorbereitung zum Einbruchdiebstahl).
Sicherheit und Schwachstellen – Welche Schlösser sind gefährdet?
Einfache Stiftzuhaltungsschlösser ohne Zusatzsicherung sind am anfälligsten für Dietrich-Angriffe. Dazu zählen viele günstige Profilzylinder der unteren Preisklasse, alte Buntbartschlösser und einfache Kastenschlösser. Auch Schlösser ohne Pickingschutz, die noch keine Sicherheitsstifte (Serratorstifte, Spoolstifte) verbaut haben, lassen sich mit etwas Übung schnell öffnen.
Moderne Hochsicherheitszylinder setzen dagegen auf mehrere Schutzebenen: Sicherheitsstifte erzeugen beim Picking ein falsches Feedback und erschweren die Manipulation erheblich. Seitliche Kodierungen (z. B. bei Mul-T-Lock oder EVVA) erfordern eine dreidimensionale Steuerung, die mit Standard-Dietrichen nicht erreichbar ist. Zertifizierte Zylinder nach DIN EN 1627 oder mit SKG**-Zertifizierung müssen nachgewiesenen Widerstand gegen Picking-Angriffe bieten.
Als Fachmann aus der Praxis kann ich bestätigen: Bei einem Einsatz vor Ort lässt sich oft auf den ersten Blick erkennen, ob ein Zylinder pickingresistent ist – allein am Hersteller, der Baujahr-Prägung und der Beschlagqualität.
Schutzmaßnahmen gegen Dietrich-Angriffe
Wer seine Tür wirksam gegen Dietriche sichern möchte, sollte auf folgende Maßnahmen setzen:
- Hochsicherheitszylinder: Zylinder mit Pickingschutz, Sicherungskarte und Schließgeheimnis (z. B. EVVA, Mul-T-Lock, ABUS XP, Kaba). Preise ab ca. 80–150 € für den Zylinder allein.
- SKG- oder VdS-zertifizierte Produkte: Diese Zertifikate garantieren geprüften Widerstand gegen Manipulation, Picking und Bumping.
- Sicherheitsbeschlag mit Ziehschutz: Schützt den Zylinder zusätzlich vor mechanischen Angriffen und erschwert den Ansatz für Werkzeuge.
- Mehrfachverriegelung: Zusätzliche Riegelbolzen machen es selbst bei geöffnetem Zylinder schwerer, die Tür aufzustoßen.
- Panzerriegel: Als ergänzende Sicherung, z. B. der PR 800 ab ca. 399 €, bietet mechanischen Schutz unabhängig vom Zylinder.
- Regelmäßige Überprüfung: Alte oder verschlissene Zylinder sollten ausgetauscht werden – ein Zylinderwechsel kostet mit Einbau oft nur 80–150 € und ist eine der effektivsten Sicherheitsinvestitionen.
Rechtliche Aspekte und Berufsethik
In Deutschland ist der Besitz von Dietrichen und Lockpicking-Werkzeugen nicht per se strafbar, solange keine Einbruchsabsicht nachweisbar ist. Allerdings kann das Mitführen solcher Werkzeuge in bestimmten Situationen als Vorbereitung einer Straftat gewertet werden. Für zugelassene Schlüsseldienst-Fachbetriebe gehören diese Werkzeuge zum legitimen Berufsalltag – etwa um Kunden bei Aussperrung schnell und schadenfrei zu helfen.
Seriöse Schlüsseldienste wie Soti's Schlüsseldienst Wiesbaden öffnen Türen ausschließlich im Auftrag des berechtigten Nutzers und dokumentieren jeden Einsatz. Die Fähigkeit, ein Schloss mit einem Dietrich zu öffnen, ist dabei Ausdruck von Fachkompetenz – nicht von krimineller Energie. Wer einen Schlüsseldienst beauftragt, sollte immer nach Gewerbenachweis und Festpreisangebot fragen.
Kosten und Praxis: Türöffnung durch den Fachmann
Wenn Sie sich ausgesperrt haben oder ein Schloss ohne Schlüssel geöffnet werden muss, ist der professionelle Schlüsseldienst die richtige Wahl. Eine schadenfreie Türöffnung – bei der moderne Werkzeuge und Picking-Techniken eingesetzt werden – kostet bei Soti's Schlüsseldienst Wiesbaden werktags ab 70–80 €, an Sonn- und Feiertagen ab 99–129 €. Der Vorteil gegenüber dem Aufbohren: Schloss und Tür bleiben intakt, und oft kann derselbe Zylinder weiterverwendet werden.
Wird beim Öffnen festgestellt, dass der vorhandene Zylinder veraltet oder unsicher ist, empfehlen wir den direkten Austausch. Neue Zylinder sind ab 30 € erhältlich; Hochsicherheitsvarianten mit Pickingschutz kosten mehr, bieten aber dauerhaft besseren Schutz. Als ADAC-Partner sind wir 24/7 in der Region Wiesbaden, Mainz und dem gesamten Rhein-Main-Gebiet erreichbar.