Das Buntbartschloss ist eine der ältesten und einfachsten Schlossarten in der Schließtechnik. Es arbeitet mit einem flachen, profilierten Schlüssel – dem sogenannten Bartschlüssel – dessen charakteristischer Bart beim Drehen die Zuhaltungen im Schlossinneren anhebt und so den Riegel freigibt. Der Begriff „Buntbart“ leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort für den geformten, verzierten Schlüsselbart ab, der je nach Schloss individuell ausgefräst ist.
Buntbartschlösser findet man heute vor allem in Innentüren, Zimmertüren, alten Möbeln, Schränken und historischen Gebäuden. Im modernen Einbruchschutz spielen sie kaum noch eine Rolle, da ihr Sicherheitsniveau im Vergleich zu zeitgemäßen Profilzylindern oder Sicherheitsschlössern sehr gering ist. Für Fachleute wie uns im Schlüsseldienst sind sie dennoch alltäglich – sei es bei der Türöffnung nach einem Aussperren oder beim Austausch gegen sicherere Schließsysteme.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Buntbartschloss besteht aus einem Schlosskasten, einem oder mehreren Zuhaltungsblechen, einem Riegel sowie einer Falle. Der passende Bartschlüssel wird durch das Schlüsselloch gesteckt und gedreht. Dabei hebt der Bart die Zuhaltungen auf eine definierte Höhe an, sodass der Riegel sich verschieben lässt. Sobald der Schlüssel wieder entfernt wird, fallen die Zuhaltungen durch Federkraft zurück in ihre Ausgangsposition und blockieren den Riegel erneut.
Die Anzahl der Zuhaltungen variiert je nach Schlossqualität: Einfache Buntbartschlösser haben nur eine oder zwei Zuhaltungen, hochwertigere Ausführungen können bis zu vier oder fünf besitzen. Je mehr Zuhaltungen vorhanden sind und je präziser sie gefertigt sind, desto höher ist das Schließgeheimnis – also die Anzahl möglicher Schlüsselkombinationen, die das Schloss unterscheidet.
Arten und Varianten
Buntbartschlösser gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich nach Einbauort und Verwendungszweck unterscheiden:
- Zimmertürschloss: Das klassische Einsatzgebiet. Häufig mit Drückernuss für die Falle und separatem Riegel, der per Schlüssel verriegelt wird.
- Möbelschloss: Kompakte Bauform für Schränke, Truhen oder Schubladen. Oft nur mit einem einfachen Riegel ohne Falle.
- Kastenschloss: Ein aufgeschraubtes Schloss, das auf der Türinnenseite sichtbar montiert wird. Früher weit verbreitet, heute vor allem in historischen Gebäuden anzutreffen.
- Einsteckschloss mit Buntbart: In die Türzarge eingelassene Variante, bei der der Buntbart-Mechanismus in ein modernes Einsteckschlossgehäuse integriert ist.
- Briefkastenschloss und Vorlegeschloss: Auch hier kommt das Buntbartprinzip gelegentlich zum Einsatz, allerdings zunehmend seltener.
Historisch gesehen waren Buntbartschlösser über Jahrhunderte der Standard in der Gebäudesicherung. Erst mit der Entwicklung des Profilzylinders im 20. Jahrhundert wurden sie schrittweise aus dem Sicherheitsbereich verdrängt.
Sicherheit und Schwachstellen
Das Buntbartschloss gilt aus heutiger Sicht als sicherheitstechnisch veraltet. Seine wesentlichen Schwachstellen liegen auf der Hand: Das Schlüsselloch ist groß und offen zugänglich, was das Einführen von Dietrichen oder anderen Hilfsmitteln erleichtert. Wer ein wenig Erfahrung mit Lockpicking hat, öffnet ein einfaches Buntbartschloss in Sekunden. Zudem sind Bartschlüssel häufig leicht zu kopieren oder durch universelle Sperrbärte zu überwinden.
Ein weiteres Problem: Das Schließgeheimnis ist bei vielen Buntbartschlössern sehr gering. Günstige Modelle mit nur einer Zuhaltung lassen sich durch Schütteln oder leichten Zug am Riegel öffnen. Selbst hochwertigere Varianten mit mehreren Zuhaltungen erreichen nicht die Manipulationssicherheit moderner Zylinderschlösser. Für Wohnungsabschlusstüren oder andere sicherheitsrelevante Bereiche sind Buntbartschlösser daher nicht geeignet und entsprechen keiner aktuellen Widerstandsklasse nach DIN EN 1627.
In der Praxis empfehlen wir: Buntbartschlösser an Zimmertüren sind für ihren Zweck – Sichtschutz und leichte Privatsphäre – völlig ausreichend. Wer jedoch echten Einbruchschutz benötigt, sollte auf zertifizierte Profilzylinder oder geprüfte Einsteckschlösser setzen.
Türöffnung und Schlüsseldienst-Einsatz
Für einen erfahrenen Schlüsseldienst ist das Öffnen eines Buntbartschlosses eine Routineaufgabe. Da die Mechanik überschaubar ist, gelingt eine schadenfreie Öffnung in aller Regel ohne Beschädigung von Schloss oder Tür. Wer sich ausgesperrt hat und ein Buntbartschloss besitzt, sollte keinesfalls selbst mit improvisierten Werkzeugen hantieren – das Risiko, die Zuhaltungen zu beschädigen oder den Riegel zu verklemmen, ist real.
Die Kosten für eine professionelle Türöffnung bei einem Buntbartschloss beginnen werktags bei rund 70 bis 80 Euro, an Sonn- und Feiertagen ab etwa 99 bis 129 Euro. Da Buntbartschlösser technisch unkompliziert sind, ist der Aufwand meist gering – seriöse Anbieter berechnen keine versteckten Zusatzkosten.
Austausch und Nachrüstung
Wer ein Buntbartschloss durch ein sichereres System ersetzen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Bei Zimmertüren genügt oft der Austausch des Schlosskastens gegen ein modernes Einsteckschloss. Bei Wohnungsabschlusstüren empfiehlt sich der Wechsel zu einem geprüften Profilzylinder in Kombination mit einem hochwertigen Einsteckschloss – idealerweise mit Mehrfachverriegelung.
Bartschlüssel nachmachen zu lassen ist ebenfalls möglich und kostet beim Fachmann ab etwa 6 Euro pro Schlüssel, sofern ein Originalschlüssel vorhanden ist. Ohne Originalschlüssel ist das Anfertigen eines Nachschlüssels aufwendiger und erfordert das direkte Ausmessen des Schlosses. Für historische Gebäude oder denkmalgeschützte Türen, bei denen das originale Schloss erhalten bleiben soll, fertigen spezialisierte Betriebe auch Ersatzschlüssel nach Schlossmuster an.
Wichtig beim Austausch: Die Maße des alten Schlosses (Dornmaß, Stulpbreite, Entfernung) müssen genau aufgenommen werden, damit das neue Schloss passgenau eingebaut werden kann. Ein Fachmann erledigt das zuverlässig und vermeidet teure Fehler.
Tipps vom Fachmann
- Buntbartschlösser an Zimmertüren sind für ihren Zweck in Ordnung – für echten Einbruchschutz taugen sie nicht.
- Wer in einer Altbauwohnung lebt, sollte prüfen, ob die Wohnungstür noch ein Buntbartschloss besitzt – und es gegebenenfalls gegen ein zertifiziertes System austauschen lassen.
- Ersatzschlüssel für Buntbartschlösser sollten immer beim Fachmann angefertigt werden, da günstige Kopien oft ungenau sind und das Schloss langfristig beschädigen können.
- Bei klemmendem Schloss hilft oft etwas Graphitpulver oder spezielles Schlossfett – niemals Öl verwenden, da es die Mechanik verklebt.
- Wer ein historisches Schloss erhalten möchte, sollte es regelmäßig warten und bei Problemen einen spezialisierten Schlosser aufsuchen.