Ein Bartschlüssel ist ein traditioneller Schlüsseltyp, dessen charakteristisches Merkmal ein seitlich abstehender, profilierter Bart am Ende des Schaftes ist. Dieser Bart greift beim Drehen in die Zuhaltungen eines zugehörigen Kastenschlosses oder Buntbartschlosses ein und betätigt dabei Riegel oder Falle. Bartschlüssel gehören zu den ältesten bekannten Schließmitteln der europäischen Schlossergeschichte und sind bis heute in Altbauten, historischen Gebäuden sowie bei einfachen Zimmertüren anzutreffen.
Im Kontext des modernen Einbruchschutzes spielt der Bartschlüssel eine untergeordnete Rolle, da die zugehörigen Schlösser in der Regel nur ein geringes Sicherheitsniveau bieten. Wer in der Region Wiesbaden, Mainz oder im Rhein-Main-Gebiet eine Immobilie mit Bartschlössern besitzt, sollte deren Sicherheitsgrenzen kennen und gegebenenfalls eine fachkundige Beratung in Anspruch nehmen.
Aufbau und Funktionsweise des Bartschlüssels
Der Bartschlüssel besteht aus drei wesentlichen Teilen: dem Reiter oder Griff (auch Kopf genannt), dem zylindrischen oder ovalen Schaft sowie dem eigentlichen Schließbart, der seitlich vom Schaft absteht. Der Bart ist individuell ausgefräst oder gefeilt und bildet das sogenannte Schließgeheimnis des Schlüssels – je komplexer das Profil, desto schwieriger lässt sich der Schlüssel nachahmen.
Beim Drehen des Schlüssels im Schloss hebt der Bart die Zuhaltungen (Metallplättchen oder Stifte) auf eine bestimmte Höhe an. Nur wenn alle Zuhaltungen exakt die richtige Position einnehmen, gibt das Schloss den Riegel frei und lässt sich öffnen. Dieses Prinzip ist mechanisch simpel und erklärt sowohl die weite Verbreitung als auch die sicherheitstechnischen Schwächen des Systems.
Arten und Varianten
- Buntbartschlüssel: Der klassische Haushaltsschlüssel für einfache Zimmertüren und Möbelschlösser. Der Bart ist oft symmetrisch und wenig komplex gefräst.
- Doppelbartschlüssel: Trägt auf beiden Seiten des Schaftes einen Bart und kann in beide Drehrichtungen verwendet werden – häufig bei älteren Haustürschlössern.
- Hohlschaftschlüssel: Der Schaft ist innen hohl, was das Kopieren geringfügig erschwert und bei etwas hochwertigeren Kastenschlössern eingesetzt wird.
- Tresorschlüssel (alter Bauart): Massiv gefertigte Bartschlüssel mit aufwendig gearbeiteten Bärten, die in historischen Tresoren oder Wertfächern Verwendung fanden.
- Möbelschlüssel: Sehr kleine Bartschlüssel für Schreibtische, Schränke oder Kassetten – bieten nahezu keinen Einbruchschutz.
Allen Varianten gemeinsam ist das grundlegende Funktionsprinzip der Zuhaltungsbetätigung durch den Schließbart. Die Unterschiede liegen vor allem in Größe, Materialstärke und der Komplexität des Bartprofils.
Sicherheit und Schwachstellen
Aus Sicht des professionellen Einbruchschutzes weist der Bartschlüssel erhebliche Schwachstellen auf. Die Anzahl der möglichen Schließgeheimnisse ist im Vergleich zu modernen Profilzylindern sehr begrenzt, was das unbefugte Öffnen durch Nachschlüssel oder einfache Hilfsmittel erleichtert. Ein geübter Einbrecher kann ein einfaches Kastenschloss mit einem Bartschlüssel-Pendant in Sekunden mit einem Dietrich oder einem passenden Rohling öffnen.
Hinzu kommt, dass Bartschlüssel leicht nachgemacht werden können: Ein einfacher Abdruck in Wachs oder Knetmasse genügt oft, um einen funktionsfähigen Nachschlüssel herstellen zu lassen. Auch das Schloss selbst – meist ein Kastenschloss oder Buntbartschloss – bietet gegen physische Angriffe wie Aufhebeln oder Aufbrechen kaum Widerstand, da die Gehäuse häufig aus dünnem Blech bestehen und nicht in Türrahmen oder Blatt eingelassen sind.
Für Außentüren, Haustüren oder sicherheitsrelevante Zugänge sind Bartschlösser daher heute nicht mehr zeitgemäß und entsprechen keiner aktuellen Widerstandsklasse nach DIN EN 1627.
Bartschlüssel nachmachen und Schloss öffnen
Das Nachmachen eines Bartschlüssels ist handwerklich vergleichsweise unkompliziert. In einem Schlüsseldienst-Fachbetrieb wie Soti's Schlüsseldienst Wiesbaden ist das Anfertigen einer Kopie ab etwa 6 Euro möglich, sofern der Originalschlüssel vorliegt. Rohlingssortimente für gängige Bartschlüssel sind breit verfügbar, was die Sicherheit weiter einschränkt.
Wer sich ausgesperrt hat und keinen Ersatzschlüssel besitzt, kann einen Fachmann rufen: Die schadenfreie Öffnung eines Bartschlosses ist in aller Regel unproblematisch und dauert nur wenige Minuten. Die Kosten für eine Türöffnung beginnen bei uns werktags ab 70 bis 80 Euro, an Sonn- und Feiertagen ab 99 bis 129 Euro – je nach Aufwand und Tageszeit. Da Bartschlösser technisch wenig Widerstand bieten, ist der Aufwand meist gering.
Modernisierung und Alternativen
Wer seine Sicherheit erhöhen möchte, sollte Bartschlösser an Außentüren durch zeitgemäße Systeme ersetzen. Die erste Wahl ist ein hochwertiger Profilzylinder mit Sicherheitsbeschlag, idealerweise mit Pickingschutz, Bohrschutz und Ziehschutz. Zylinder beginnen bereits ab rund 19 Euro, für sicherheitsrelevante Bereiche empfehlen sich zertifizierte Produkte nach VdS oder SKG.
Für Innentüren, bei denen Optik und historische Authentizität wichtig sind – etwa in denkmalgeschützten Gebäuden oder Altbauwohnungen – können Bartschlösser durchaus erhalten bleiben. Hier lässt sich die Sicherheit durch zusätzliche Maßnahmen wie einen Panzerriegel (ab 399 Euro) oder eine Mehrfachverriegelung an der Haustür ergänzen. Eine individuelle Beratung durch einen erfahrenen Schlüsseldienst hilft, die richtige Balance zwischen Sicherheit, Optik und Budget zu finden.
Tipps vom Fachmann
- Außentüren niemals mit Bartschlössern sichern: Sie bieten keinen nennenswerten Einbruchschutz und entsprechen nicht den Anforderungen moderner Widerstandsklassen.
- Schlüsselanzahl kontrollieren: Da Bartschlüssel leicht kopierbar sind, sollten Sie bei einem Mieterwechsel oder nach dem Einzug stets das Schloss austauschen oder zumindest die Schlüsselanzahl prüfen.
- Historische Schlösser erhalten, aber ergänzen: Wer aus ästhetischen Gründen Bartschlösser behält, sollte die Eingangstür zusätzlich mit einem modernen Sicherheitszylinder und Schutzbeschlag ausstatten.
- Keine Schlüsselabdrücke anfertigen lassen: Geben Sie Bartschlüssel nicht aus der Hand und achten Sie darauf, dass keine Abdrücke genommen werden können.
- Fachmann hinzuziehen: Bei Unsicherheiten über den Zustand eines Bartschlosses oder nach einem Einbruchversuch sollte ein erfahrener Schlüsseldienst das Schloss prüfen und gegebenenfalls erneuern.