Ein Zusatzschloss ist ein ergänzendes Sicherheitsschloss, das unabhängig vom Hauptschloss einer Tür angebracht wird und den Einbruchschutz deutlich erhöht. Es wirkt als zweite Verriegelungsebene und erschwert Einbrechern das unbefugte Öffnen einer Tür erheblich – selbst dann, wenn das Hauptschloss bereits überwunden wurde.
In der Schließtechnik zählt das Zusatzschloss zu den bewährtesten mechanischen Sicherungsmaßnahmen. Es wird sowohl an Wohnungstüren als auch an Haus-, Keller- und Nebeneingangstüren eingesetzt. Versicherungen und Kriminalprävention empfehlen Zusatzschlösser ausdrücklich als sinnvolle Ergänzung zu einem hochwertigen Hauptschloss – besonders in Mehrfamilienhäusern oder bei älteren Türen ohne ausreichende Grundsicherung.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Zusatzschloss besteht im Wesentlichen aus einem Schlossgehäuse, einem oder mehreren Riegeln sowie einem Schließzylinder. Beim Abschließen schiebt ein stabiler Stahlriegel in das zugehörige Schließblech in der Türzarge und blockiert so die Tür mechanisch. Je nach Bauart wird der Riegel durch eine Schlüsseldrehung oder einen Knauf betätigt.
Im Gegensatz zur Falle des Hauptschlosses, die sich beim Zuziehen der Tür automatisch einrastet, muss der Riegel eines Zusatzschlosses aktiv verriegelt werden. Das macht es für Einbrecher deutlich schwerer, da selbst ein aufgehebeltes Hauptschloss die Tür nicht freigibt, solange das Zusatzschloss verschlossen ist. Hochwertige Modelle verfügen über einen gehärteten Stahlriegel mit Aufbohrschutz und einem zertifizierten Schließzylinder.
Arten und Varianten
- Kastenschloss (aufgesetzt): Das klassische Zusatzschloss, das auf die Türinnenseite aufgeschraubt wird. Einfach nachrüstbar, auch für ältere Türen geeignet.
- Querriegelschloss: Schiebt einen langen Riegel quer durch Tür und Zarge – besonders hohe Aushebelresistenz, da der Riegel tief in die Wand greift.
- Einsteckzusatzschloss: Wird in die Türfüllung eingelassen und ist von außen kaum sichtbar. Optisch unauffällig, aber aufwendiger im Einbau.
- Panzerriegel: Technisch verwandt mit dem Zusatzschloss, jedoch als separates Sicherungselement konzipiert. Modelle wie der PR 800 sind ab ca. 399 € erhältlich und bieten sehr hohen Widerstand gegen Hebelwerkzeuge.
- Türsicherung mit Knauf: Variante ohne Schlüssel, die ausschließlich von innen bedient wird – ideal als Nachtriegel.
Die Wahl der richtigen Variante hängt von der Türkonstruktion, dem gewünschten Sicherheitsniveau und dem Nutzungsverhalten ab. In meiner täglichen Praxis empfehle ich für Wohnungseingangstüren häufig ein aufgesetztes Kastenschloss mit zertifiziertem Zylinder oder einen Panzerriegel als besonders wirksame Lösung.
Sicherheit und Schwachstellen
Die Schutzwirkung eines Zusatzschlosses steht und fällt mit der Qualität der Montage und der verwendeten Komponenten. Ein minderwertiges Schließblech, das nur mit kurzen Schrauben in der Zarge befestigt ist, kann trotz solidem Schloss durch einfaches Aufhebeln überwunden werden. Entscheidend ist daher, dass das Schließblech tief in den Türrahmen bzw. das Mauerwerk verankert wird.
Weitere Schwachstellen sind ein ungeschützter Schließzylinder, der herausgezogen (Kernziehschutz fehlt) oder aufgebohrt werden kann. Hochwertige Zusatzschlösser setzen daher auf Zylinder mit Ziehschutz, Bohrschutz und Pickingschutz. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt Produkte mit VdS-Zertifizierung oder entsprechender SKG-Zertifizierung, da diese unabhängig auf Einbruchresistenz geprüft wurden.
Einbau und Nachrüstung
Die Montage eines Zusatzschlosses ist bei aufgesetzten Kastenschlössern grundsätzlich auch für handwerklich begabte Heimwerker möglich. Dennoch empfehle ich als Fachmann die professionelle Montage, da Fehler bei der Positionierung oder Befestigung des Schließblechs die Schutzwirkung erheblich mindern können. Besonders bei Sicherheitstüren oder Türen mit Mehrfachverriegelung sollte ein Fachbetrieb hinzugezogen werden, um die mechanische Integrität der Tür nicht zu gefährden.
Bei der Nachrüstung in Mietwohnungen ist vorab die Zustimmung des Vermieters einzuholen. In der Praxis ist dies meist problemlos möglich, da Zusatzschlösser den Wert der Immobilie steigern. Nach dem Auszug können aufgesetzte Schlösser in der Regel rückstandsfrei entfernt werden.
Kosten im Überblick
Die Preise für Zusatzschlösser variieren je nach Bauart und Qualitätsniveau erheblich. Einfache aufgesetzte Kastenschlösser sind bereits ab ca. 30–50 € im Fachhandel erhältlich, bieten aber oft nur begrenzten Schutz. Hochwertige, zertifizierte Modelle mit geprüftem Zylinder kosten zwischen 80 und 200 €; ein Panzerriegel wie der PR 800 liegt ab ca. 399 € aufwärts.
Hinzu kommen die Montagekosten beim Fachbetrieb. Eine professionelle Einbaudienstleistung im Raum Wiesbaden/Mainz/Rhein-Main ist werktags ab ca. 70–80 € zu kalkulieren, an Sonn- und Feiertagen ab ca. 99–129 €. Wer gleichzeitig den Schließzylinder erneuern möchte, zahlt für einen Qualitätszylinder ab ca. 30 € aufwärts – je nach Sicherheitsklasse und Länge. Insgesamt ist das Zusatzschloss eine der kosteneffizientesten Maßnahmen im mechanischen Einbruchschutz.
Tipps vom Fachmann
- Kombination entscheidet: Ein Zusatzschloss entfaltet seine volle Wirkung nur im Zusammenspiel mit einem guten Hauptschloss, einem stabilen Türblatt und einer verstärkten Zarge.
- Schließblech tief verankern: Das Schließblech sollte mindestens 60 mm tief im Mauerwerk verschraubt sein – kurze Schrauben in der Zarge allein reichen nicht.
- Zertifizierte Produkte wählen: Achten Sie auf VdS- oder SKG-Zertifizierung. Diese Prüfzeichen garantieren eine unabhängig getestete Mindestresistenz gegen Einbruchversuche.
- Zylinder nicht vergessen: Auch der beste Riegel nützt wenig, wenn der Zylinder des Zusatzschlosses leicht manipulierbar ist. Setzen Sie auf Zylinder mit Picking- und Bohrschutz sowie Ziehschutz.
- Regelmäßige Wartung: Schlösser sollten einmal jährlich geölt und auf Verschleiß geprüft werden, damit sie im Ernstfall zuverlässig funktionieren.